Sven Dittmar studierte Geschichte und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Von 2015 bis 2020 war er an den Arbeitsbereichen Byzantinistik sowie Neuere Geschichte Tutor und studentische Hilfskraft. Bis September 2024 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Neuere Geschichte für das Projekt DigiKAR tätig. Gleichzeitig erarbeitete Sven Dittmar sein Dissertationsprojekt, das sich mit Bistumskumulationen im Alten Reich befasst. Im Wintersemester 2024/25 war er Postdoc-Fellow in Digital Humanities am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte. Seit April 2024 ist er wieder als wissenschaftlicher Mitarbeiter Teil des Lehrstuhlteams. Zu seinen Forschungsinteressen zählen neben der Geschichte des Alten Reichs und der Reichskirche im Speziellen auch die Verfassungs- und Kulturgeschichte.

2020-2023Dissertation: Bistumskumulation im Alten Reich: Das Beispiel des Mainzer Erzbischofs und Bamberger Bischofs Lothar Franz von Schönborn. Stipendium der Gerda Henkel Stiftung
Seit 2021Lehraufträge am Historischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
2023-2024wissenschaftlicher Mitarbeiter im DigiKar-Projekt am Arbeitsbereich Neuere Geschichte
2024-2025Postdoc-Fellow in Digital Humanities am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte
2025-2026wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Neuere Geschichte
seit 2026wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Das Projekt „Reichsitalien digital. Fluide Herrschaftsräume erforschen und visualisieren.“ leistet Grundlagenforschung zur politischen Konfiguration Reichsitaliens in der Frühen Neuzeit und nutzt hierfür punktbasierte interaktive Webvisualisierungen als methodisch innovatives Analyse- und Darstellungswerkzeug. Hierbei sollen nicht die Rechtsnormen, sondern die Herrschaftspraktiken zeitlich und geographisch breit erfasst und visualisiert werden, um zeitlich und geographisch differenzierte Herrschafts-, Einfluss- und Handlungsräume zu erkennen. Das Projekt zielt darauf ab, eine digitale Visualisierung der Herrschaftspraktiken zu entwickeln, die für das frühneuzeitliche Reichsitalien auf Grundlage der Archivbestände des Reichshofrats in Wien und der Plenipotenz in Mailand erfassbar sind. Der breite Zuschnitt des Projekts bei gleichzeitiger Fokussierung auf wenige, aussagekräftige Herrschaftspraktiken und klar definierte Quellenbestände garantiert die Durchführbarkeit bei gleichzeitiger fachlicher Relevanz. Damit wird das angestrebte Projekt nicht nur einen Beitrag zur Erforschung Reichsitaliens und letztlich der Verfasstheit des ganzen Reiches leisten, sondern auch in methodischer Hinsicht Neuland beschreiten, indem Herrschaftsräume als multipolares Beziehungsgeflecht, ausgehend von ortsgebundenen Rechten, Ansprüchen und Zugehörigkeiten, greifbar werden. Zudem wird die kartographische Visualisierung innovativ als heuristischer Ansatz, analytisches Instrument und eigenständiges methodisches Werkzeug zur Generierung von Erkenntnissen genutzt. Aufgrund der Fluidität der Zuschreibungen von Zugehörigkeit zum Reich bietet sich Reichsitalien in besonderer Weise für die Entwicklung von Karten an, die Raum als soziale Konstruktion begreifen. Denn das Reich folgte vorwiegend den Logiken eines Personenverbands, die niemals ganz von einer rein flächenmäßigen Vorstellung von Herrschaft ersetzt wurden. Diese Einsicht soll nun erstmals im Zentrum eines Forschungs- und Visualisierungsprojekts stehen. Auf inhaltlicher Ebene kann damit das Projekt einen Beitrag zur historisch-kritischen Raumreflexion im deutsch-italienischen Diskurs leisten, der jedoch auch darüber hinaus bedeutend ist: Letztlich bietet das Projekt einen neuen Ansatz zur Erforschung und Darstellung vormoderner Herrschaft über das Alte Reich hinaus. Der innovative Charakter des Projekts ergibt sich dabei aus der Kombination seiner inhaltlichen und methodischen Ausrichtung: Inhaltlich wird Grundlagenforschung zur politischen Konfiguration Reichsitaliens in der Frühen Neuzeit bereitgestellt. Methodisch werden die Möglichkeiten der interaktiven Webkartographie zur Exploration des Raumes als soziale und rechtliche Konstruktion weiterentwickelt. Die enge Verzahnung von Inhalt und Methodik verspricht substantielle Erkenntnisgewinne und das Potential, kartographische Visualisierungen auf Grundlage digitaler Methodik als heuristische Methode beispielhaft in die historische Forschung einzuführen.

  • Geschichte des Alten Reichs
  • Reichskirchengeschichte
  • Kulturgeschichte
  • Verfassungsgeschichte
  • Bistumskumulation im Alten Reich: Die Regierung des Mainzer Erzbischofs und Bamberger Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn (bibliothek altes Reich 44), Berlin 2026.
  • Auf den Punkt gebrachtNeue Ansätze zu einer Geschichtskartographie des Alten Reiches, in: ZHF 4/52 (2025), S. 577-360. Gemeinsam mit Bettina Braun, Falk Bretschneider, Jana Moser und Matthias Schnettger.
  • Fastendispense in Kurmainz und Bamberg zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Zur Relevanz von Raum und Speise für das Fastenritual, in: Michaela Bill-Mrziglod, David Olszynski (Hrsg.): Ritual – Material – Raum, Münster 2026, S. 223-240.
  • Rez. zu Alissa L’Abbé: „Wurde hierauf pro majora Vota beschlossen“. Entscheidungsfindung und Herrschaftspraktiken des Bamberger Domkapitels 1753-1802, in: sehepunkte 26 (2026), Nr. 7/8, 15.07.2026, https://www.sehepunkte.de/2026/07/41010.html.
  • Die Mobilität frühneuzeitlicher Kurmainzer Gelehrter, in: Andreas Tacke, Regina Dauser (Hrsg.): Grenzenlos? Weltläufigkeit in der Frühen Neuzeit (Hainhoferiana. Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte Schwabens und Europas 6), Petersberg 2025, S. 20-28.
  • Seuchenbekämpfung im frühen 18. Jahrhundert und (ihre) Grenzen, in: Römische Historische Mitteilungen 67 (2025), S. 157–171.
  • Borders, Data and Vassals – a Postdoc-Fellowship at the DH Lab. DH Lab. https://doi.org/10.58079/13lam.
  • Ergebnisse des Projekts „Digitale Kartenwerkstatt Altes Reich“, https://digikar.geohistoricaldata.org/.
  • Dokumentation des Projekts „Digitale Kartenwerkstatt Altes Reich“, https://ieg-dhr.github.io/DigiKAR/.
  • Rez. zu Eva Ortlieb, Kaiserlicher Hofrat und kaiserliche Herrschaft unter Karl V. (1520–1556), in: Francia recensio, 2025/3, https://doi.org/10.11588/frrec.2025.3.113002.
  • Tagungsbericht: Der „Bauernkrieg“ an Rhein und Main. Potentiale und Perspektiven im regionalen Vergleich, in: H-Soz-Kult, 29.08.2025, https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/fdkn-156762
  • Worms als Nebenbistum unter Kurfürst Emmerich Joseph, in: Jan Turinski (Hrsg.): Emmerich Joseph von Breidbach-Bürresheim und die katholische Aufklärung im Erzbistum Mainz (im Druck).
  • Katholische Studenten, protestantische Soldaten und Juden. Die Universitäts-, Garnisons- und Residenzstadt Mainz als Konfliktzone, in: Katholische Erfahrungsräume und Bildungswirklichkeiten. Jesuitische Studentenkulturen und akademischer Alltag in Mittel- und Ostmitteleuropa vom 16. bis 18. Jahrhundert (im Druck).
  • Rez. zu Oliver Kruk, „Nit on meines Capitels Wissen“. Praktiken des Informations- und Wissensmanagements in der Verwaltung und Herrschaft des Bamberger Domkapitels, 1522-1623, in: sehepunkte 24 (2024), Nr. 11, 15.11.2024, https://www.sehepunkte.de/2024/11/39271.html.
  • Die Rolle Kurmainzer Diplomaten beim Frieden von Rijswijk 1697, in: Revue d’Allemagne et des pays de langue allemande 56 (2024), S. 333–348.
  • Effizienzsteigerung in Zeiten der Bistumskumulation? Die Tätigkeit des Kurmainzer Hofrats um 1700, in: Beschleunigung und Effizienzbemühungen im Gerichtswesen der Vormoderne (im Druck).
  • Tagungsbericht über die 62. Internationale Tagung für Militärgeschichte des ZMSBw im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr vom 12. bis 14. September 2023, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift 83/1 (2024) 193–198.
  • Tagungsbericht: Zwischen Akzeptanz, Ohnmacht und Widerwillen. Die Herausforderungen der Reformation für Bischöfe, Domkapitel und Kathedralstädte im Alten Reich, in: H-Soz-Kult, 08.04.2024, www.hsozkult.de/ conferencereport/id/fdkn-143222.
  • Rez. zu Florian Zwießler, Geistliche Fürsten und der Reichstag. Die Hochstifte Bamberg und Würzburg als Akteure der Reichspolitik Mitte des 18. Jahrhunderts, in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 132 (2024), S. 485-486.
  • Herrschereinzüge und Huldigungen in Kurmainz nach 1648, in: Mainzer Zeitschrift 115/116 (2020/21), S. 79-110.
  •   Die Viehepidemie 1709–1720 und ihre Bekämpfung an Rhein und Main. Tierkrankheiten und -seuchen im Südwesten – Deutung, Bekämpfung und Auswirkungen vom späten Mittelalter bis in die Moderne, Hohenheim Mai 2026.
  • Ein väterlicher Bruder? Zur Beziehung zwischen Melchior Friedrich und Lother Franz von Schönborn. Bis dass der Tod sie scheidet: Wissenschaftliche Tagung zu adeligen Geschwisterbeziehungen im Hochadel, Heidelberg Dezember 2025.
  • Einzug in die besiegte Stadt: Ferrara 1598 und Erfurt 1664, Kirchen-Staaten. Die Reichskirche und der Stato Pontificio im Vergleich, Mainz Oktober 2025.
  • Small States and Big Politics? Prince-Bishoprics in the Holy Roman Empire, Historical Small States Studies: State of Research and Perspectives, Balzers Oktober 2025.
  • Die Bistumskumulation von Bamberg und Mainz unter Lothar Franz von Schönborn, Gastvortrag an der Universität Bamberg Mai 2025.
  • Did Early Modern Prince-Bishops neglect their Armies? The Case of the Electorate of Mainz, Ecclesiastical History Society Winter Meeting 2025: The Church and the Military, Oxford Jan. 2025.
  • Worms als Nebenbistum unter Kurfürst Emmerich Joseph, Emmerich Joseph von Breidbach-Bürresheim und die katholische Aufklärung im Erzbistum Mainz, Mainz Sept. 2024.
  • Die Finanzen der Hochstifte Bamberg und Mainz und die Bistumskumulation unter Lothar Franz von Schönborn (1695-1729), Reich, Recht und Schulden V, Frankfurt Sept. 2024.
  • Konstituierung von Räumen durch Mobilität, Historische Räume neu modellieren und visualisieren. Öffentliche Ergebnispräsentation Digitale Kartenwerkstatt Altes Reich (DigiKAR), Juni 2024.
  • Die Mobilität frühneuzeitlicher Gelehrter in Kurmainz und ihre Grenze, Grenzenlos? Weltläufigkeit in der Frühen Neuzeit. VI. Philipp-Hainhofer-Kolloquium, März 2024.
  • Fasten als frühneuzeitliche Ding- und Raumpraktik, Ritual – Material – Raum. Geschichte und Gegenwart christlicher Ding- und Raumpraktiken, Koblenz Febr. 2024.
  • More Sons than Property? Strategies of Wealth Transfer by Imperial Knights, Pass on. Generational Transfers of Wealth from the 16th to the 20th Century, Bozen Okt. 2023.
  • Versöhner aus vorderster Front? Kurmainzer Diplomaten und der Frieden von Rijswijk 1697, „Frieden schließen“: Multidisziplinäre Ansätze zu Friedens- und Versöhnungs-prozessen (Journées franco-allemandes des MSH du Grand-Est), Mulhouse März 2023.
  • Zwischen Feder, Schwert und Talar – Karrierewege fränkischer und rheinischer Reichsritter, Veit Ludwig von Seckendorff – Politik, Gelehrsamkeit und Adel im 17. Jahrhundert, Gotha Febr. 2023.
  • Disease control in the early 18th century Franconia and Rhineland and (its) limits, Crossing the Border. Illicit crossings, controls, strategies (16th–19th centuries), Brixen Dez. 2022.
  • Katholische Studenten, protestantische Soldaten und Juden. Die Universitäts-, Garnisons- und Residenzstadt Mainz als Konfliktzone, Katholische Erfahrungsräume und Bildungswirklichkeiten, Prag Dez. 2022.
  • Bistumskumulation und Effizienz der Kurmainzer Hofrat als oberstes Gericht im frühen 18. Jahrhundert, Beschleunigung und Effizienzbemühungen im Gerichtswesen der Vormoderne, Wetzlar Okt. 2022.
WiSe 2025/26Seminar Neuere Geschichte: Die Reformation
SoSe 2025Seminar Neuere Geschichte: Der Dreißigjährige Krieg
SoSe 2024Seminar Neuere Geschichte: Kurmainz in der Frühen Neuzeit
WiSe 2022/23Übung Neuere Geschichte: Festkultur und Rituale – Symbolische Kommunikation in der Frühen Neuzeit
WiSe 2021/22Übung Neuere Geschichte: Reichskirche und Ritterschaft in der Frühen Neuzeit