Forschung

Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Forschungsschwerpunkte des Mainzer Arbeitsbereichs Neuere Geschichte. Über einzelne, abgeschlossene und laufende Projekte können Sie sich mithilfe der linken Spalte näher informieren.

Handlungsräume frühneuzeitlicher Kaiserinnen

Eleonora Gonzaga (1598-1655) und Eleonora Gonzaga-Nevers (1628-1686)

Eleonora Gonzaga und ihre Großnichte Eleonora Gonzaga-Nevers stammten aus dem norditalienischen Mantua. Als Gemahlinnen Ferdinands II. bzw. Ferdinands III. siedelten sie an den Kaiserhof über, wo sie auch während ihrer Witwenzeit verblieben. Die Präsenz der beiden Gonzaga-Kaiserinnen am Wiener Hof belief sich auf insgesamt fast sechseinhalb Jahrzehnte (1622-1686). In dieser Zeit waren sie wichtige Mediatorinnen zwischen dem Doppelherzogtum Mantua-Monferrato und dem Reich. Die Handlungsräume der beiden Kaiserinnen im Rahmen ihrer vielfältigen Vermittlungen zwischen ihrer Herkunftsdynastie (Gonzaga bzw. Gonzaga-Nevers) und ihrer Aufnahmedynastie (Habsburg) stehen im Zentrum des Forschungsprojektes.

Spazi d'azione delle imperatrici nella prima età moderna

Eleonora Gonzaga (1589-1655), Eleonora Gonzaga-Nevers (1628-1686) i rapporti interdinastici tra Vienna e Mantova

Eleonora Gonzaga e la sua pronipote Eleonora Gonzaga-Nevers erano entrambe principesse originarie del ducato norditaliano di Mantova. Essendo consorti dell’Imperatore Ferdinando II rispettivamente di Ferdinando III si trasferivano alla Corte Cesarea, dove rimanevano anche per la loro vedovanza. La presenza delle due imperatrici Gonzaga presso la corte di Vienna copre più di sei decenni (1622-1686). In questo periodo erano importanti mediatrici tra il doppio ducato di Mantova e Monferrato su un lato e l’Impero romano-germanico sull’altro lato. Nel focus del progetto di ricerca si trovano gli spazi d’azione delle due imperatrici nel quadro delle loro ampie mediazioni tra la loro dinastia d’origine (Gonzaga rispettivamente Gonzaga-Nevers) e quella a cui appartennero tramite il matrimonio (Asburgo).

Histoire du Saint-Empire - regards croisés franco-allemands

Projektpartner:
Christophe Duhamelle, Falk Bretschneider (EHESS Paris)
Guillaume Garner (ENS Lyon)
Barbara Stollberg-Rilinger (Universität Münster)

Das Projekt dient der grenzüberschreitenden Bestandsaufnahme aktueller Forschungsansätze zur Geschichte des frühneuzeitlichen Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation. Diese Bilanz soll zum Ausgangspunkt weiterer Forschungen werden. Ein besonderes Anliegen besteht in der Vermittlung der Forschungsergebnisse an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in Seminaren und einem Doktorandenatelier.

Website des Projekts (frz.)

Prozesse politischer Integration (18.-20. Jahrhundert)

Der Arbeitsbereich ist federführend beteiligt an der Doktorandengruppe "Prozesse politischer Integration (18.-20. Jahrhundert)", die im Rahmen der im Rahmen der Initiative "PRO Geistes- und Sozialwissenschaften 2015" der Johannes Gutenberg-Universität Mainz konstituiert worden ist und von den Neuzeitabteilungen des Mainzer Historischen Seminars (Frühe Neuzeit, Osteuropäische Geschichte, Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Zeitgeschichte) getragen wird. Sie untersucht in historischen Fallstudien Prozesse politischer Integration und analysiert den mittelfristigen Integrationserfolg, d.h. die wachsende Interaktionsdichte von Mitgliedern der neu entstandenen politischen Gemeinschaften, indem sie in historischen Fallstudien sowohl nach der jeweils spezifischen Einbindung von Personengruppen als auch nach dem Aufbau struktureller Rahmenbedingungen in Recht, Wirtschaft, Verwaltung und Verkehr fragt. Entscheidend ist dabei die Konzentration sowohl auf Prozesse der Homogenisierung als auch auf Politiken der Anerkennung von Verschiedenheiten, deren Balance möglicherweise erst stabile Integrationen zu befördern vermag. Es geht mithin um den Zusammenhang von Verbindungen politischer Räume und der damit einhergehenden politisch-sozialen Integration der dadurch neu verschränkten und verflochtenen Gesellschaften.

Europäische Geschichte in der Frühen Neuzeit

Der Mainzer Arbeitsbereich Neuerer Geschichte befasst sich mit der Erforschung verschiedener Bereiche der europäischen Geschichte in der Frühen Neuzeit. Ein geographischer Akzent liegt hierbei auf Westeuropa, v.a. auf dem romanischen Europa. Neben der Außenpolitik der europäischen Mächte (einschließlich des Papsttums), der Entwicklung und den prägenden Faktoren des europäischen Staatensystems finden insbesondere auch Fragen nach der Herrschaftsordnung Berücksichtigung. Große Bedeutung wird dem europäischen Vergleich, der Untersuchung von Transferprozessen und dem Austausch zwischen unterschiedlichen nationalen historiographischen Traditionen beigemessen.

Kleinstaaten in Deutschland und Italien in der Frühen Neuzeit

Kleinstaaten liegen üblicherweise abseits vom Mainstream der Geschichtswissenschaft. Das gilt auch für die deutschen und italienischen Kleinstaaten der Frühen Neuzeit, mit denen sich traditionellerweise v.a. die jeweilige landes- oder lokalgeschichtliche Forschung beschäftigt. Nicht immer findet so eine Einordnung in größere Forschungskontexte statt. Der Mainzer Arbeitsbereich Neuere Geschichte untersucht die deutschen und italienischen Kleinstaaten dagegen mit einem dezidiert vergleichenden Ansatz. Dieser Vergleich erscheint nicht nur aufgrund der vergleichbaren materiellen Ressourcen gerechtfertigt, sondern auch wegen des gemeinsamen Kennzeichens der gegenüber den großen Monarchien (insbesondere durch lehnsrechtliche Bindungen) eingeschränkten Souveränität. Im Zentrum steht die Frage nach den Möglichkeiten der Kleinstaaten, sich gegenüber den Großen auf verschiedenen Ebenen zu behaupten. Neben ihrer Reformfähigkeit werden insbesondere ihre außenpolitischen Handlungsspielräume ausgelotet, wozu neben der klassischen Diplomatiegeschichte insbesondere auch die dynastischen Beziehungen, mikropolitische Verflechtungen und das Streben nach Geltung durch vielfältige Repräsentationsanstrengungen gehören.

Das Heilige Römische Reich deutscher Nation und seine Verfassung

Die Geschichte des so genannten Alten Reiches und seiner Verfassung ist ein traditionelles Hauptarbeitsgebiet der deutschen Frühneuzeitforschung und auch des Mainzer Arbeitsbereichs Neuere Geschichte. Wenn von der Reichsverfassung die Rede ist, sind nicht nur die Verfassungsnormen, sondern insbesondere auch die Verfassungsrealität gemeint. Politikgeschichtliche werden dabei um sozialgeschichtliche und kulturgeschichtliche Fragestellungen, etwa nach den Reichseliten sowie nach der Zeremonialgeschichte des Reichs, ergänzt. Besondere Aufmerksamkeit findet die Stellung des Mainzer Kurerzkanzlers in der Reichsverfassung (u.a. im Interdisziplinären Arbeitskreis Kurmainz und der Erzkanzler des Reiches). Ein weiterer Hauptakzent der wissenschaftlichen Forschung liegt auf der Geschichte Reichsitaliens, also auf den Beziehungen der ober- und mittelitalienischen Reichslehen zu Kaiser und Reich, in der Frühen Neuzeit.